(10.03.2014)

ADS dringt auf einheitliche Vorgehensweise bei Neuerstellung von Urkunden für Trans*Personen – Wissenschaftliche Studie vorgelegt

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), Christine Lüders, dringt auf eine einheitliche Rechtsanwendung bei der Neuerstellung von Urkunden für Trans*Personen. "Gerade Menschen mit transsexuellem Hintergrund haben oftmals Schwierigkeiten, ihren Ausbildungs- oder beruflichen Werdegang mit Dokumenten zu belegen, die ihrer gelebten Geschlechtsidentität entsprechen. Die ADS hat in ihrer Beratungstätigkeit wiederholt feststellen müssen, dass dies zu Diskriminierungen für Menschen mit transgeschlechtlichem Hintergrund führt, insbesondere in Bewerbungsverfahren", sagte Lüders am Mittwoch in Berlin.

Eine Abfrage der ADS in den Bundesländern hat ergeben, dass es dort bislang keine einheitliche Praxis gibt. Es wird vielmehr unterschiedlich verfahren. Teilweise wurde von den zuständigen Länderministerien die Frage bejaht, ob es Unsicherheiten in der Rechtsanwendung gibt und ob ein bundesweiter Regelungsbedarf gesehen wird. Zudem können nicht alle Trans*Personen das Transsexuellengesetz (TSG) in Anspruch nehmen, sondern nur Personen mit Transsexualitätsdiagnose.

"Wir können es nicht hinnehmen, dass transsexuelle Menschen einem potenziellen Arbeitgebenden den höchstprivaten Sachverhalt einer Geschlechtsangleichung offenbaren müssen und dann womöglich den gewünschten Arbeitsplatz nicht erhalten", betonte Lüders. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes fügte hinzu: "Um Diskriminierungen dieser Menschen, insbesondere bei der Arbeitsplatzsuche zu verringern, halte ich es für dringend erforderlich, die Anwendung bestehenden Rechts für die rückwirkende Änderung von Urkunden nach Namensänderungen verbindlich und bundeseinheitlich zu gestalten."

Die ADS hat zum Thema „Diskriminierung von Trans*Personen, insbesondere im Arbeitsleben“ eine wissenschaftliche Expertise vorgelegt. Die knapp 120-seitige Studie analysiert die rechtliche Situation und untersucht Benachteiligungen von Trans*Personen vor allem in Beruf und Beschäftigung. Jannik Franzen und Arn Sauer, die die Expertise verfasst haben, kommen dabei unter anderem zu dem Schluss, dass für viele Trans*Personen die Änderung ihres Vornamens und des Geschlechtseintrags in offiziellen Dokumenten unabdingbare Voraussetzungen für ihr Wohlbefinden, ihre soziale und ökonomische Teilhabe sowie nicht zuletzt für den Schutz vor Diskriminierung sind. Dies gelte unabhängig davon, ob sie sich entschließen, sich dem Verfahren nach dem Transsexuellengesetz zu unterwerfen und dafür körperliche Veränderungen vornehmen lassen, oder nicht.

Der Oberbegriff Trans*Personen bezeichnet ein breites Spektrum von Identitäten und Lebensweisen von Menschen, die sich nicht beziehungsweise nicht nur mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Trans* verweist auf die Offenheit und Unabgeschlossenheit einer Begriffsdefinition; der Stern * dient dabei als Platzhalter für diverse Weisen des Trans-Seins und -Lebens.

Die Antidiskriminierungsstelle war mit Inkrafttreten des AGG im August 2006 errichtet worden. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Weitere Informationen und die Expertise unter www.antidiskriminierungsstelle.de

29.12.2010

<< zurück