(29.11.2016)

Deutschlands arme Kinder – die Hartz-IV-Bilanz 2016

In Deutschland lebt jedes siebte Kind von Sozialleistungen. Das seien 1,5 Millionen Kinder, die schon vor dem Start in das gesellschaftliche Leben aussortiert würden, sagt Uwe Hoffmann, Geschäftsführer des Deutschen Schutzverbandes gegen Diskriminierung e. V. (DSD). Gegen den „Start mit Benachteiligung“ helfe nur eine echte Bildungsoffensive.

 

Es ist und bleibt ein Armutszeugnis. 1,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren leben in einer Bedarfsgemeinschaft, in der es mindestens einen erwerbsfähigen Hilfebedürftigen gibt. Da diese Kinder als noch nicht erwerbsfähig gelten, bekommen sie Sozialgeld, was im Umgangsdeutsch oft fälschlicher Weise mit Hartz IV bezeichnet wird. „Wie man diese Leistungen bezeichnet und aus welchem Topf sie kommen, ist aber völlig egal“, sagt Uwe Hoffmann vom DSD (www.mehr-hartz4.net, www.gegendiskriminierung.de), „Schließlich geht es darum, dass 1,5 Millionen Kinder mit Hindernissen und Benachteiligungen in ihr eigenes Berufsleben starten müssen.“

Die Armut in Deutschland verfestigt sich, so viele Sozialwissenschaftler. Das liegt daran, dass die meisten Kinder aus den sogenannten Hartz-IV-Haushalten es nicht schaffen in die Mittel- oder Oberschicht zu gelangen. „Gerade dort, wo wir die Armut nachhaltig bekämpfen müssten, kommt am wenigsten an“, sagt Hoffmann. Die Auswirkungen auf den Sozialstaat der Zukunft, in dem es immer weniger Arbeitsplätze geben wird, in dem immer weniger Arbeitnehmer für immer mehr Rentner bezahlen werden müssen, seien fatal.

Natürlich kann man die Situation in den bedürftigen Familien nicht pauschalisieren. Manche suchen bemüht und hartnäckig nach Arbeit, andere haben ihr Leben der Situation angepasst. „Für die betroffenen Kinder aber, macht das keinen Unterschied. Sie werden aber mit dem ständigen Mangel groß“, sagt der DSD-Geschäftsführer. „Langfristig kann den Kindern nur eine Bildungsoffensive helfen, die ihnen den Ausstieg aus dem Teufelskreis Hartz IV ermöglicht“, mahnt Uwe Hoffmann. Außerdem müssten die Arbeitgeber nicht nur den eigenen Profit im Auge haben. Produktion im Ausland, Beschäftigte von Arbeitnehmerüberlassungen und die Umgehung von Tariflöhnen, das seien nur einige Punkte, über die man dringend reden müsse. „Irgendwann werden solche Betriebe auch einmal bemerken“, so Hoffmann, „dass die Menschen ihre Waren nur kaufen können, wenn sie das Geld dafür verdienen.“

 

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