(19.01.2017)

„Leck’ mich“ denken, freundlich grüßen und Hilfe vom DSD holen

Immer häufiger kommt es zu gewaltsamen Übergriffen in den Jobcentern und Arbeitsagenturen. Uwe Hoffmann, der Geschäftsführer des Deutschen Schutzverbandes gegen Diskriminierung e. V. (DSD), der die Wut vieler  Hartz-IV-Empfänger verstehen kann, warnt ausdrücklicher vor jeglicher Gewalt; auch vor der verbalen. Stattdessen bietet er kostenfreie Hilfe über die DSD-Abteilung „Mehr Hartz 4“ an.

Langzeitarbeitslose, die sich regelmäßig ohne Erfolg bewerben, bei ihrem Jobcenter-Berater vorsprechen und sich ständig die Mär von den Chancen anhören müssen, sind verständlicher Weise verärgert. Manch einer so sehr, dass er im Jobcenter die Kontrolle verliert und seiner Wut freien Lauf lässt. „Der Hammerangriff in Dietzenbach Ende letzten Jahres und die beiden tödlichen Messerattacken 2012 und 2014 in deutschen Jobcentern sind zum Glück die Ausnahme“, so der Geschäftsführer des DSD (www.mehr-hartz4.net). „Wütende Menschen, die mit der Faust auf den Tisch schlagen, die Jobcenter-Mitarbeiter verbal beschimpfen oder Aktenordner umher werfen, gibt es aber leider ebenfalls sehr oft“, so Hoffmann.

Aus der Studie einer Unfallversicherung gehe hervor, so berichtet es der Focus, dass Befragte aus zwölf Jobcentern angaben, mindestens ein bis zwei Mal im Jahr massive Gewalt zu erleben. Die Studie stammt aus dem Jahr 2011. Seit dieser Zeit hat sich auch schon einiges verändert. „Es gibt Jobcenter“, so Uwe Hoffmann, „die schon so genannte Notfallknöpfe unter dem Schreibtisch haben. Andere werden zu Deeskalationsschulungen geschickt“. Den Gewerkschaften gehen diese Maßnahmen noch immer nicht weit genug; sie fordern auch Notfallpläne. Denn wenn keiner wisse, was nach einem Alarm passieren muss, bringe der Knopf alleine nichts.

Der DSD-Geschäftsführer mahnt indes zur Besonnenheit: „Im Jobcenter zu pöbeln oder zu beleidigen, bringt nichts. Auch wir haben es manchmal mit Mitarbeitern zu tun, die ihre vermeintliche Machtposition deutlich demonstrieren. Doch wer es mit solchen Leuten zu tun hat, sollte sich nicht provozieren lassen, ruhig bleiben.“ Das gelte auch, wenn man unnötige Beschäftigungen oder fragwürdige Weiterbildungen besuchen solle, oder wenn es um wenige Euro geht, die die gemietete Wohnung zu teuer ist. „Statt dessen sollten Betroffene versuchen freundlich zu bleiben und lieber bei Verbänden oder Organisationen wie uns Hilfe suchen“, so Hoffmann.  Im vergangenen Jahr konnte der DSD über 800 Menschen, die sich in irgend einer Weise von den Jobcentern falsch behandelt fühlten,  helfen. 

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